Nachruf auf einen groß(artig)en Hund

Gott sei Dank kommt es nicht allzu oft vor, dass ein Hund im Tierheim stirbt. Wenn es dann aber doch einmal der Fall ist, trifft es einen natürlich sehr hart. So auch im Falle unserer Greta, einem unserer ganz besonderen Tierheimlieblinge. Deshalb ist es uns einfach ein Bedürfnis, noch einmal an diesen ganz besonderen Hund zu erinnern.
Groß trifft die Sache wohl auf den Punkt, denn Greta war eine Deutsche Dogge mit locker 80 cm Schulterhöhe. Doch sie war nicht nur groß, sondern auch groß-artig, weshalb sie einfach besondere Aufmerksamkeit verdient.
Greta wurde im September 2020 bei uns abgegeben und wie sich herausstellte, hatte sie schon mehrere Besitzer hinter sich. Sie war ganz sicher kein einfacher Hund und auch nicht für jedermann geeignet. So hasste sie zum Beispiel andere Hunde, konnte dann auch ganz schön an der Leine ziehen (bei einem derartigen Kaliber Hund nicht gerade angenehm) und war auch bei Fremden zumindest anfangs recht misstrauisch. Im Tierheim hat sie mehrere Wochen gebraucht, bis sie uns vertrauen konnte und sich von uns anfassen ließ.
Dann jedoch war nur noch eitel Sonnenschein zwischen Greta, den Tierpflegern und ihrem Gassigeher. So spröde, ja sogar richtig aggressiv wie sie sich am Anfang gegeben hatte, so liebevoll und anschmiegsam präsentierte sie sich nach einiger Zeit. Sie war einfach ein Traum, ließ alles mit sich machen, war super gutmütig, verschmust ohne Ende und versuchte sogar manchmal, auf unseren Schoss zu krabbeln – bei dieser Größe natürlich ein Ding der Unmöglichkeit. Sie spielte mit uns, wobei ihre langen Vorderbeine mit den großen Pranken nur so in der Luft herumhampelten, sie warf sich auf den Rücken und ließ sich den Bauch kraulen, sie gab Pfötchen und verteilte feuchte Bussis in Gesicht und auf Hände. Mit einem Wort: sie war einfach eine gute Seele und man hätte ein Herz aus Stein haben müssen, um sie nicht lieb zu haben.
Sie fühlte sich wohl bei uns, sie liebte ihre Bezugspersonen über alles – aber dennoch … Man spürte deutlich, dass ihr trotzdem immer etwas gefehlt hat. Ein eigenes Zuhause, Menschen für sich allein, nach dem Gassigehen einfach nicht wieder in den kleinen Zwinger zurückzumüssen, sondern in der Nähe ihrer Menschen bleiben zu dürfen und ein richtiges Familienmitglied zu sein. All dies hätten wir unserer Greta so sehr gewünscht.
Was haben wir nicht alles angestellt, um ihre Traum-Menschen zu finden! Sie stand auf mehreren Seiten im Internet, sogar auf speziellen Doggenseiten, sie wurde mehrmals in den verschiedensten Zeitungen veröffentlicht und ihre Geschichte wurde sogar vor einem Jahr auf TV Oberfranken ausgestrahlt. Doch nichts! Bis auf ein paar einzelne Anfragen, bei denen das Umfeld für Greta aber nicht gepasst hat (entweder andere Hunde oder Kinder vorhanden) hat sich nie jemand für sie interessiert, in fast zwei Jahren nicht eine einzige viel versprechende Anfrage. Und nun ist es zu spät…
Greta war bereits bei Ankunft im Tierheim 6 Jahre alt und hatte inzwischen ihren 8. Geburtstag gefeiert. Leider ist es ja bekanntlich eine traurige Tatsache, dass Doggen keine sehr hohe Lebenserwartung haben. Dennoch ging es ihr bis ca. 4 Wochen vor ihrem Tod sehr gut. Sie war fit und aktiv und nichts ließ auf eine mögliche Erkrankung schließen.
Doch dann zeigten sich fast über Nacht gravierende Herzprobleme und zudem hatte sie astronomisch hohe Entzündungswerte, deren Ursprung aber weder durch einen Ultraschall des Bauchraumes noch durch mehrere Bluttests festgestellt werden konnte. Hochdosierte Antibiotika erbrachten keinerlei Besserung. Wochenlang fraß Greta so gut wie gar nichts, sie wurde immer matter und schwächer. Wir taten, was wir konnten und kämpften um ihr Leben, denn wir wollten nicht akzeptieren, dass es zu Ende ging. Sie war doch vor kurzem noch ganz normal gewesen! Aber es half alles nichts, Greta starb uns richtig unter den Händen weg. Schließlich gaben wir auf, weil wir sie nicht länger leiden lassen konnten. Es gab einfach keine Hoffnung auf Besserung mehr. Und so ließen wir sie am 29.08. schmerzlos einschläfern, sie starb in unseren Armen, gestreichelt bis zuletzt.
Greta wurde 8 Jahre alt und hat ihre letzten beiden Jahre im Tierheim verbracht.
Wir haben einen ganz besonderen Hund verloren, der ganz fest in unseren Herzen verankert ist. Keinen anderen Hund konnte man so schön in den Arm nehmen, ohne sich dabei bücken zu müssen, kein anderer Hund hat sich auf seine ganz besondere Art und Weise mit dem Hinterteil an unseren Beinen „angedockt“, um sich streicheln zu lassen, kein anderer Hund hat uns so schöne lange Sabberfäden an Hände und Kleidung verehrt, Sabberfäden, mit denen man fast hätte stricken können…
Leb wohl Greta! Wir werden dich nie vergessen! Auch wenn Du für die meisten Menschen „nur“ ein Tierheimhund warst, vergessen und unbeachtet, für uns warst Du etwas Besonderes. Es tut uns so leid, dass Du im Tierheim sterben musstest und wir es nicht mehr geschafft haben, eine neue Familie für Dich zu finden, eine Familie, in der Du viel besser aufgehoben gewesen wärst und viel geborgener hättest leben können als hinter Tierheimgittern.
Im Hinblick darauf möchten wir allen potentiellen Hundeinteressenten gerade die alten Hunde in den Tierheimen ans Herz legen. Nichts ist so schlimm, als wenn sie allein hinter Tierheimgittern sterben müssen. Das hat kein Hund verdient! Bitte denken Sie auch an die alten Hunde und geben Sie ihnen eine Chance! Ihre Dankbarkeit wird Sie für alles entschädigen!

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