„Coral“, weiblich, kastriert, Hirtenhund, geb. 01.08.15, 47 cm

Wer hat Verständnis und das richtige Händchen für unser schüchternes Fellknäuel?
Coral ist einer dieser typischen spanischen Hirtenhunde, die man in Andalusien an fast jeder Herde sieht. Leider kennen wir den Namen dieser Rasse nicht – vermutlich handelt es sich um eine spezifische regionale Besonderheit und ist nicht offiziell als eingetragene Rasse anerkannt. Dennoch: Fast jedes Mal, wenn man zwischen Almeria und Malaga Schäfer mit ihrer Herde sieht, werden diese von solchen Hunden begleitet. Sie sind immer wuschelig, mittelgroß, kommen in allen Farben vor, haben oft keine oder nur halblange Schwänze und leider oft abgeschnittene Ohren. Auch bei Coral ist das der Fall, außerdem hat sie nur einen Stummelschwanz. Gottseidank fällt es wegen des langen Fells nicht so auf. Warum die Schäfer ihren Hunden die Ohren abschneiden, konnten wir bisher noch nicht ergründen… Es ist so sinnlos…
 
Oft genug kommt es vor, dass ein Schäfer seinen Hund los werden will, sei es, dass er seine Herde aufgibt, dass der Hund zu alt geworden ist oder keine guten Hüteeigenschaften an den Tag legt, so dass er ihn nicht brauchen kann. Viele dieser Hunde werden dann einfach ausgesetzt. Auch Coral hat dies erleben müssen. Sie wurde zusammen mit einem anderen Hund einfach über den Zaun eines Gartengrundstücks geworfen. Der Besitzer fütterte die beiden Findlinge zwar einige Zeit lang, bat dann aber unser dortiges Partner-Tierheim Albolote/Granada um Hilfe. So fanden Coral und ihr Freund Obdach im dortigen Tierheim.
Corals Kumpel hat inzwischen schon lange ein neues Zuhause in Deutschland gefunden. Nur für das schüchterne Hundemädchen hat sich bisher noch keine verheißungsvolle Zukunft aufgetan. Daher durfte die Wuschelmaus Ende November zu uns nach Kronach auswandern und wir haben ihr versprochen, alles zu tun, dass sie auch mal so richtig glücklich sein darf.

Dass Coral ängstlich ist, wurde ja bereits erwähnt. Dabei möchten wir aber gleich vorausschicken, dass die süße Maus absolut lieb und gutmütig ist! Sie ist überhaupt kein Angstbeißer. Selbst wenn sie Angst hat, schnappt sie nicht, sondern

duckt sich gottergeben und unterwürfig und lässt alles mit sich machen.

Was Coral nun bräuchte, sind Menschen, die Verständnis für sie haben, die sie nicht bedrängen oder auf Teufel komm raus unbedingt gleich im ersten Augenblick streicheln wollen. Wenn man derart „mit der Tür ins Haus fällt“, findet das Coral extrem unheimlich und hat dann gleich einen ersten schlechten Eindruck. Geht man aber einfach mit ihr Gassi, ohne sie weiter zu beachten, hat sie die Gelegenheit, die fremde Person erst mal zu beobachten und abzuchecken. Wenn sie dann merkt, dass alles ganz normal ist und ihr nichts Schlimmes passiert, kommt sie meist von allein auf einen zu. Leckerlis helfen dabei auch ungemein!
Bis Coral wirklich tiefes Vertrauen gefasst hat, ist es natürlich ein langer Prozess, der nicht von heute auf morgen abgeschlossen ist. Daher suchen wir für sie Menschen mit etwas Fingerspitzengefühl, Verständnis und Geduld. Sie dürfen nicht selbst unsicher wirken, sondern sollten souverän, gelassen und ruhig mit Coral umgehen können, damit sie Sicherheit finden kann. Kinder wären vermutlich kein Problem, solange sie in einem Alter sind, in dem man ihnen erklären kann, dass sie den neuen Hund nicht gleich umarmen, sondern erst mal in Ruhe lassen sollen.
Ganz wichtig für Coral wäre ein Zweithund. Sie ist sehr verträglich und liebt alle Hunde, egal ob Rüden oder Hündinnen, groß oder klein. Im Tierheim ist sie nie allein anzutreffen, sondern schließt sich immer anderen Hunden an. Sie kuschelt sogar mit ihnen zusammen in einem Körbchen. Mit einem souveränen Ersthund an der Seite würde sie sich viel sicherer fühlen und könnte von diesem auch viel lernen und abschauen.
Wer sich für Coral interessiert, muss bedenken, dass sie ganz bestimmt keine schöne Vergangenheit hat. Sie war vielleicht noch nie in einem Haus, kennt die Grundregeln im Zusammenleben mit uns Menschen noch nicht und muss alles von der Pike auf lernen. Dafür muss genügend Zeit, Geduld und Verständnis vorhanden sein. Aber Coral ist so eine gute Seele, dass wir davon überzeugt sind, dass sie ein ganz toller Begleiter werden wird. Aber es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen und es wird einige Zeit dauern, bis sie verstanden hat, was von ihr erwartet wird.
Ganz hütehund-untypisch hat Coral übrigens ein sehr ruhiges Wesen. Sie ist überhaupt nicht nervös, hektisch und immerzu auf Achse, wie es ja gerade bei Hütehunden so oft der Fall ist. Im Gegenteil ist die Madame eher faul und gemütlich – vielleicht der Grund, dass ihr Vorbesitzer sie loswerden wollte?
Leider ist ihr ruhiges Wesen, noch dazu in Verbindung mit ihrer Leidenschaft für alles Fressbare, keine gute Voraussetzung für eine schlanke Linie… Und so hat Coral leider einige Pfündchen zuviel auf den Rippen. Auch wenn wir ihr im Tierheim schon ein bisschen abtrainiert haben, muss sie auch weiterhin noch ein bisschen abspecken.
Für unsere Coral suchen wir nun besondere Menschen: sie sollten schon etwas hundeerfahren sein, viel Geduld und Ruhe mitbringen,  ihr Sicherheit geben können und nicht zu viel auf einmal von ihr fordern. Ihr neues Zuhause sollte in ruhiger Stadtrandlage oder in ländlicher Umgebung liegen. Mitten in der Stadt wäre die arme Seele hoffnungslos überfordert. Ein sicher eingezäunter Garten und ein Hundekumpel wären ebenfalls sehr schön.
Wir wissen, dass Coral zumindest anfangs etwas Mühe machen wird. Aber sie ist eine so liebe Hündin, die es auf jeden Fall verdient hat, Menschen zu finden, die sie vorbehaltlos lieben und ihr eine gesicherte Zukunft bieten. Wer möchte die Herausforderung annehmen und Coral ein glückliches Leben ermöglichen?

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